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Modeglossar

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Babydoll

Babydoll – ein stoffgewordener Hollywood-Skandal

Seit einigen Jahren ist der Babydoll-Look vor allem im Sommer allerorts präsent. Frauen jeden Alters und jeder Figur tragen die locker fallenden Hängerchen als Kleider oder Tops. Aber woher kommt das Babydoll? Und warum trägt es diesen seltsamen Namen? Lesen Sie hier alles, was Sie über Babydolls wissen müssen.

Babydoll - Was steckt hinter dem Namen?

'Baby Doll' ist der Titel und zugleich die Hauptfigur eines US-amerikanischen Films aus dem Jahr 1956 nach einem Bühnenstück von Tennessee Williams. Der Film verursachte wegen seiner für damalige Verhältnisse großen sexuellen Freizügigkeit einen Skandal und ernsthafte Boykotte, wurde trotzdem für vier Oscars nominiert und gewann schließlich zwei Golden Globes. Heute ist er eher unter den Filmkennern noch bekannt, obwohl er damals immerhin einem Kleidungsstück seinen Namen gab.

Erzählt wird die Geschichte von Baby Doll, einem kindlich-naiven Südstaaten-Teenager, die als Minderjährige mit einem wesentlich älteren Baumwollfarmer verheiratet wird. Dieser muss jedoch ihrem Vater versprechen, dass er die Ehe erst vollzieht, wenn sie volljährig ist. Baby Doll selbst ist eine zwiespältige junge Frau. Einerseits schläft sie noch in einem Kinderbett und lutscht am Daumen, anderseits explodiert sie förmlich vor nicht ausgelebter Erotik. Zwei Tage vor dem entscheidenden Geburtstag nimmt das Schicksal seinen Lauf.

 

Vom Schlafzimmer auf die Straße - Woher kommt das Babydoll?

Um die erotische Spannung, in der sich Baby Doll und ihr Ehemann befinden, noch deutlicher hervorzuheben, wird die Hauptfigur gleich zu Beginn des Films in einem sehr leichten, sexy Nachthemdchen gezeigt. Es ist weit, ärmellos und A-förmig geschnitten, reicht nur bis zu den Hüften und wird mit einem Pumphöschen getragen. Dieses bis dato nur von kleinen Mädchen getragene Teil verfehlte seine Wirkung an der bildschönen Carroll Baker, die die Titelrolle in Baby Doll spielte, nicht: Die Brüste sind deutlich abgezeichnet, die Beine komplett zu sehen.

Nach dem Film wurde diese Form von Nachtwäsche auch für die Damen sehr populär und erhielt den Namen Babydoll (nun zusammengeschrieben). Aber schon kurze Zeit später begannen Designer, den Schnitt in einer etwas längeren Variante auch für kurze Kleider zu nutzen. In den 1960er und 70er Jahren waren Kleider im Babydoll-Stil überaus beliebt und tauchten auch vor der Kamera immer wieder auf.

In den 1980er Jahren geriet das Babydoll dann ziemlich aus der Mode, kehrte aber bereits in den 90ern zurück - nun jedoch wieder dort, wo es herkam: im Schlafzimmer als Dessous. Dort hat es sich als verführerisches Untergewand bis heute gehalten, wobei das ursprüngliche Babydoll aus dem Film eher bieder wirkt im Vergleich zu den modernen raffinierten Kreationen aus Seide und Spitze.

Etwa ab dem Jahr 2010 kam das Babydoll dann auch zurück ans Tageslicht. Es hat sich zu einer beliebten Form für Kleider und Oberteile entwickelt, die vor allem bei den Sommerkollektionen gern verwendet wird. In den letzten Jahren finden sich neben der ärmellosen Variante, bei der aber die Schultern bedeckt sind, auch Babydoll-Kleider und -Oberteile mit langen Ärmeln, kurzen Ärmeln oder Spaghettiträgern. Sogar als völlig trägerloses Strandkleid kann man das Babydoll seit einigen Sommern bewundern.

 

Warum tragen Frauen das Babydoll noch immer so gern?

Das Babydoll ist ein unkompliziertes Stück Mode und ziemlich bequem zu tragen. Gleichzeitig ist es ungemein vielfältig. Es kann als lässiges Strandkleid, als sommerliches Oberteil zur Jeans, aber auch als verführerisches Cocktailkleid daherkommen. Dabei wirkt es immer feminin, wobei jedoch beachtet werden sollte, dass das Babydoll eine gewisse mädchenhafte Nuance auch in der elegantesten Ausführung niemals ganz verlieren wird.

Vor allem aber macht das Babydoll eine gute Figur – im wahrsten Sinne des Wortes. Da es direkt unter der Brust abgenäht wird, umspielt der Rest des Teils lässig die Silhouette. Ein kleines Bäuchlein, zum Beispiel auch nach einer Schwangerschaft, lässt sich hiermit wunderbar kaschieren. Gleichzeitig setzen Sie ein schönes Dekolleté sehr gekonnt in Szene.

 

Materialmix oder Colour Blocking - Welche Modetrends passen zum Babydoll?

Da das Babydoll-Oberteil als eine Alternative zum klassischen T-Shirt oder Top getragen werden kann, lässt es sich auch gut mit anderen Teilen kombinieren. Hierbei sollten Sie jedoch unbedingt beachten, dass das dazu gewählte Unterteil eng geschnitten ist. Es kann sich dabei sowohl um eine Hose als auch um einen Rock handeln, nur weit darf es nicht sein: Denn andernfalls könnte mit dem ebenfalls weiten Babydoll sehr leicht ein ungewollter Schlabber-Look entstehen.

Unifarbene Babydolls eignen sich außerdem sehr gut für das trendige Colour Blocking, also die Zusammenstellung mehrerer farbiger Teile, die nach klassischem Modeverständnis als nicht kombinierbar gelten: Rot mit Türkis, Gelb mit Pink usw. Wichtig ist hierbei nur, dass möglichst nur zwei Extremfarben aufeinandertreffen (der Rest kann dann zum Beispiel weiß oder beige gehalten sein) und dass die Teile für sich jeweils unifarben sind. Aber auch für einen Materialmix ist das Babydoll gut einsetzbar: So lassen sich beispielsweise kurze Babydoll-Kleider in der kühleren Jahreszeit hervorragend mit Leggins, Stiefeletten und offen getragenen, längeren Strickjacken kombinieren.

Symbolbild Frau liest Buch

Vokabular:

  • Herkunft des Begriffs:

Aus dem Film 'Baby Doll' (1956)

  • Bezeichnet ursprünglich:

Ein knappes Nachthemd für Frauen

  • Bezeichnet heute:

Dessous sowie Kleider und Oberteile

  • Besonderheit des Schnitts:

Unter der Brust abgenäht und von da ab weit fallend (A-Linie)

  • Das erste Babydoll-Kleid stammt von:

Designer Jacques Griffe (1957)

  • Bedeutende Auftritte des Babydolls vor der Kamera:

Goldie Hawn (Kaktusblüte, 1969), Nastassja Kinski (Leidenschaftliche Blümchen, 1977), Elisabeth Volkmann (Lola, 1981)