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Modeglossar

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Samt

Samt – König der Stoffe, Stoff der Könige

Es gibt kaum einen Stoff, der so oft besungen und so häufig als Synonym für fein und zart verwendet wird wie Samt. Samt in der Stimme, samtig als Ausdruck besonderer Feinheit –

was dereinst den Reichen, Adligen und Kirchenoberen vorbehalten war, lässt sich heute von lässig und elegant bis festlich und nobel in die Alltagsmode integrieren. Aber was macht die Popularität von Samt aus und wie entsteht aus einzelnen Fasern das kuschelige Gewebe?

 

Was ist Samt?

In seinen Ursprüngen entstand der dichte Webstoff aus reiner Seide. Die Italiener brachten im 15. Jahrhundert mit dem edlen Stoff Kettsamt Gemütlichkeit, Wärme und Exklusivität in eine Zeit, in der Burgen noch zugig und kaum beheizt waren. Als Hauptgewebe der prunkvollen Renaissance wurde Samt in Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden gefertigt. Später war Samt aus dem Osmanischen Reich hochbegehrt bei den Vermögenden in Europa. Prächtige Figurensamtbrokate aus Persien mit eingewebten Silber- und Goldfäden schmückten als Vorhänge und Tapisserien Schlösser und Herrenhäuser ab dem 16. Jahrhundert. Hochstehende Fasern, dicht an dicht, machen Optik und Griffigkeit des Gewebes aus. Grundmaterialien sind Baumwolle, Seide oder Kunstfasern. Ähnlich den Plüsch- und Veloursgeweben verfügt der Samt über den kürzesten Flor und wirkt dadurch besonders dicht.

 

Wie wird Samt hergestellt?

Die Herstellung kennt entsprechend der Verarbeitung zwei Arten von Samt: Schusssamt und Kettsamt. In ein Grundgewebe aus Schuss- und Kettfäden wird ein ebensolches Fadensystem eingearbeitet. Die dabei auf einer Seite entstehenden Schlingen werden in einem weiteren Arbeitsgang aufgetrennt. Daraus geht der typische, etwa zwei mm hochstehende Flor hervor, der auch Pol genannt wird. Längst haben Baumwolle und Kunstfasern die teure Seidensamt-Produktion zurückgedrängt. Attraktive Samt-Mode wird so für alle erschwinglich.

 

Mit welchen Eigenschaften kann Samt punkten?

Optisch kommt der changierenden, leicht glänzenden Oberfläche kaum ein anderes Gewebe gleich. Die unvergleichliche Haptik und das samtige Gefühl verleihen dem Samt nach wie vor den Touch des Besonderen, Edlen und Festlichen. Samt ist im Ursprünglichen nicht dehnbar, knitterarm und muss nicht gebügelt werden. Diese Eigenschaften qualifizieren ihn als Möbelbezugsstoff. Er lässt sich leicht verarbeiten und fällt durch sein Gewicht gerade und elegant. Robust und gut waschbar findet er in der festlichen Bekleidung bereits für Kinder Verwendung.

 

Pannesamt – eine besondere Form des Stoffes

In der ursprünglichen Herstellung unterscheidet sich Pannesamt, auch Zylindersamt oder Spiegelsamt genannt, nicht vom hochflorigen Samt. Danach jedoch erhält er durch spezielle Press- und Bügelverfahren seine flache und hochglänzende Optik. Dabei können Muster mit eingebracht werden. Besonders häufig findet der Pannesamt Verwendung in der Faschingsbekleidung, Damen-Oberbekleidung, Röcken, Schals und Accessoires.

 

Es muss nicht immer Seide sein – Baumwollsamt

Wesentlich preiswerter, jedoch nicht weniger attraktiv kommt heute weitestgehend Baumwollsamt anstatt Seidensamt zur Anwendung. Einzig die teure Seide wurde durch feine Baumwolle ersetzt. Dadurch wird das Gewebe pflegeleichter, ohne dabei seine einzigartige Optik und Griffigkeit einzubüßen.

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