„Im Leben angekommen“: Fashion-Blogger erzählen, was der 30. Geburtstag für sie bedeutet

Der Mai steht im Zeichen des 30. Geburtstages von bonprix. Wir haben uns daher gefragt, was die Zahl 30 eigentlich für jeden von uns persönlich bedeutet? Für viele stellt der 30. Geburtstag nämlich einen (gefühlten) Wendepunkt im Leben dar. Meist hat man mit 30 beruflich wie auch privat einen bestimmten Weg eingeschlagen und fühlt sich gefestigter als noch mit Anfang 20, als man vielleicht noch am Anfang des Studiums oder in der Ausbildung war und selbst noch nicht so richtig wusste, wo es einmal hingehen soll. Mit den Jahren ist man stetig an seinen Erfahrungen gewachsen und sieht manche Dinge heute anders als früher. Auch der persönliche Modestil hat sich bei vielen im Laufe der Zeit verändert, viele fühlen sich jetzt selbstbewusster als noch vor 10 oder 15 Jahren. Wir haben deswegen mit modebegeisterten Frauen über 30 über ihr neues Körperbewusstsein, Stilgefühl und unvergessene Fashion-Fauxpas gesprochen.


Ann-Kathrin von i-like-shoes

"Ein bisschen weniger Wallung im Leben und der Mode hätte es auch getan."

Was ist heute mit 30 besser oder anders als es noch mit Anfang 20 war?

Mit 30 Jahren hat man die meisten Fashion-Eskapaden erstmal hinter sich und ist irgendwie angekommen in seinem Stil. Ich probiere zwar immer noch gern ein bisschen etwas aus, aber immer in einem ähnlichen Beuteschema. Keine zu großen Eskapaden mehr. Mit Anfang 20 bin ich quasi jedem Trend hinterhergerannt - ohne Rücksicht darauf, ob der Trend zu mir passt oder nicht. Ich hatte immer das Gefühl, sonst etwas zu verpassen. Bunte Farben, schräge Muster, ausgefallene Muster und 1001 It-Pieces waren manchmal einfach zu viel des Guten. Heute bin ich da gelassener und lasse viele Trends aus, weil ich sie nicht als passend für mich empfinde.

Wie hat sich dein Modestil im Laufe der Zeit verändert?

Hatte ich mit Anfang 20 überhaupt einen Modestil? Ich würde sagen nein, da ich einfach auf jeden Zug mit aufgesprungen bin. Mittlerweile habe ich meinen eigenen Stil gefunden, in dem ich mich einfach wohl fühle. An Stellen, wo ich früher jeden Stil eins zu eins adaptiert habe, picke ich mir heute quasi die Trend-Rosinen heraus, die in meinen Augen zu meinem Stil passen. Da ich ein quirliger Typ bin, ist auch mein Stil eher abwechslungsreich. Mal klassisch, mal rockig, mal sportlich, mal schick - aber in Farben, Formen und Schnitten doch immer irgendwie ähnlich.

Was sind die Fashion-Fauxpas deiner Vergangenheit?

Schlimme Modesünden.. oh, jetzt wird´s gruselig! Spontan denke ich da an mein 16-jähriges Ich, als ich in meiner "Gothic Phase" war. Schwarze Haare, schwarze Klamotten und das bei meiner schneeweißen Haut - nicht gerade stylisch. Auch meine extreme "Matchy-Matchy" Phase belächele ich heute eher. Da mussten die Schuhbändel die gleiche Farbe haben wie der Gürtel, der Aufdruck auf dem Shirt, die Armbänder, die Ohrringe und am besten noch das Haargummi. Oft sah das Ganze dann eher aus wie eine seltsame Comicfigur.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten, wenn ihr euch heute begegnen würdet?

Ganz einfach: "Chill mal - du verpasst nichts!" - Anfang 20 wollte ich nämlich am liebsten ALLES auf einmal machen, hatte immer Angst, ich könnte irgendwas verpassen und habe quasi auf allen Hochzeiten gleichzeitig getanzt. Ein bisschen weniger Wallung im Leben und der Mode hätte es auch getan. Lieber die Sachen, die man macht, voll auskosten, als schon wieder an das Nächste zu denken. Konkret würde ich meinem modischen Ich mit Anfang 20 gern noch sagen: Rosa/Pink steht "uns" nicht! Lass es bleiben, das erspart dir viele Fehlkäufe und Geld!


Petra von homeofhappy

"Ich weiß heute besser, was mir steht und welche Trends ich mit gutem Gewissen auslassen kann."

Was ist heute besser oder anders als es noch mit Anfang 20 war?

Im Vergleich zu früher bin ich heute viel ruhiger, selbstbewusster und gelassener. Nach vielen rastlosen Jahren während meiner 20er bin ich seit einigen Jahren endlich "angekommen", weiß genau, was ich will und was mir guttut. Außerdem habe ich mittlerweile eine eigene Familie und eine kleine Tochter ist die Krönung unseres Glücks.

Wie hat sich dein Modestil im Laufe der Zeit verändert?

Mein persönlicher Stil hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Als ich in meinen 20ern war, wollte ich keinen Trend verpassen, kaufte meistens wahllos und legte nicht viel Wert auf gute Qualität. Das ist heute komplett anders. Ich schaue zwar immer noch auf die neuesten Trends, verfolge mittlerweile aber eine andere Strategie: mein modisches Fundament bildet eine Kollektion hochwertiger und zeitloser Basic-Teile, wie zum Beispiel ein klassischer Trenchcoat oder eine perfekt sitzende Jeans, die ich mit trendigen Teilen kombiniere. Das Kombinieren verschiedener Looks fällt mir mittlerweile viel leichter als früher. Ich weiß heute besser, was mir steht und welche Trends ich mit gutem Gewissen auslassen kann.

Was sind die Fashion-Fauxpas deiner Vergangenheit?

Meine größten Fashion-Fauxpas ereigneten sich wahrscheinlich in meiner Teenagerzeit. Ich hatte noch wenig Gespür dafür, was mir wirklich steht, welche Farben gut zu mir passen oder wie ich welche Kleidungsstücke am besten miteinander kombiniere. Unvergessen sind natürlich die eher unvorteilhaften Schnitt- und Farbkombis der 80er Jahre. Erinnert sich noch jemand an den Batik Trend oder die Jogginganzüge aus Ballonseide? Eher auslassen können hätte ich ebenfalls die Radler- oder Steghosen. Ich hoffe nicht, dass diese Teile je wieder in Mode kommen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten, wenn ihr euch heute begegnen würdet?

Älter zu werden hat den Vorteil, viele Dinge mit mehr Ruhe zu betrachten und durch das Sammeln von Erfahrung viel Selbstvertrauen aufzubauen. Insofern finde ich das Älterwerden toll und fürchte mich davor nicht. Ich würde mir selber raten, nicht so viel darauf zu geben, was andere sagen oder denken, sondern konsequenter meinen eigenen Weg zu gehen. Man wird es sowieso nie allen recht machen können und am Ende des Tages bist du nur dir selbst Rechenschaft schuldig. Außerdem würde ich meinem 10 Jahren jüngerem Ich unbedingt raten, sofort mit dem Rauchen aufzuhören und endlich anzufangen, Sonnencreme zu verwenden.


Susi von groessenwahnblog

"Obwohl ich jetzt viel mehr Verantwortung habe, sehe ich die Welt voller Chancen."

Was ist heute besser oder anders als es noch mit Anfang 20 war?

Es gibt 3 Dinge, die sich im Laufe der letzten Jahre verändert haben: mein Selbstbewusstsein, mein Körperbewusstsein und vor allem der Respekt vor dem eigenen Körper. Allein durch die Geburt meiner Tochter hat sich vieles geändert. Obwohl ich jetzt viel mehr Verantwortung habe, sehe ich die Welt voller Chancen. Man redet oft vom "jugendlichen Leichtsinn"- aber ich werde jetzt mit Ü30 immer experimentierfreudiger und offener, weil ich aus der Erfahrung heraus sagen kann, dass es sowieso keine Garantie im Leben gibt. Dass ich heute nicht weiß, wo ich in 2 Jahren bin, ist für mich kein Grund mehr zur Angst, sondern zur Freude, weil ich nicht weiß, welche Berufe und Städte noch auf mich und meine Tochter warten.

Wie hat sich dein Modestil im Laufe der Zeit verändert?

Ich möchte nicht sagen, dass ich meinen Stil zu 100 Prozent gefunden habe, aber ich weiß, dass mir ein Mix aus legerer, klassischer Mode mit coolen Accessoires am besten steht. Ich bin sicherer geworden und kenne meinen Körper. Außerdem gab es in den letzten Jahren viele AHA-Momente. In den 20ern war ich sehr streng mit mir, meinem Gewicht und wäre so gern richtig dünn gewesen. Jetzt akzeptiere ich, dass mein Körper einfach schon mal ganz anders gebaut ist. Ich versuche nicht auf Teufel komm raus, jeden Trend mitzumachen, sondern schaue lieber, wie ich meine Schokoladenseiten unterstreichen kann. Ansonsten setze ich eher auf Understatement, "weniger ist mehr".

Was sind die Fashion-Fauxpas deiner Vergangenheit?

Ach, so richtige Fauxpas fallen mir da eigentlich gar nicht ein. Vielleicht der Kunstlederblazer, den ich mit 16 rauf- und runtergetragen habe. Oder die dicken Skaterturnschuhe, die meine 42 noch viel riesiger gemacht haben. Aber sonst denke ich, der einzige Fauxpas war, als ich mir die Haare in einem Anfall von Liebeskummer von hellblond auf dunkelbraun färben ließ. Schrecklich! Nach einer Woche saß ich wieder beim Friseur und ließ mir die Haare wieder blond strähnen.

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten, wenn ihr euch heute begegnen würdet?

Probier Dich aus, hab keine Angst, sei stolz auf Deine Größe!


Sabrina von happiness-is-the-only-rule

"Meinem jüngeren Ich würde ich raten, bewusster und organisierter zu leben."

Was ist heute besser oder anders als es noch mit Anfang 20 war?

Heute - mit 31 Jahren - fühle ich mich "im Leben angekommen". Während man mit Anfang 20 noch vielen Unsicherheiten ins Auge blicken muss, läuft mit Anfang 30 vieles schon geregelter. Die erste Wohnung, das Leben nach der Uni und die Suche nach dem Traum-Partner können einen schon ganz schön ins Wanken bringen. Mit 31 bin ich nun schon einige Jahre im Berufsleben und habe meinen Traum-Mann tatsächlich gefunden. Und selbst wenn es nicht so wäre, wüsste ich durch meine verrückten, wenn auch schönen und lehrreichen Mittzwanziger-Jahre, dass es keinen Grund gibt, in Panik zu geraten. Manchmal kommt eben doch alles anders als man denkt - und das ist meistens auch gut so!

Wie hat sich dein Modestil im Laufe der Zeit verändert?

Früher habe ich meine Outfits häufig nicht "bewusst" kombiniert. Ich habe die Kleidungsstücke eher einzeln betrachtet, also in etwa so: Karierter Rock? Super! Gestreiftes Oberteil? Oh ja! Blaue Strumpfhose? Her damit! Rote Sneakers? Hatte ich lange nicht mehr an! Dementsprechend müssen meine Outfits damals teilweise recht wild ausgesehen haben. So etwas würde mir heute zum Glück nicht mehr passieren, da ich stets das gesamte Styling im Blick habe. So geht es mir übrigens auch beim Klamotten-Shopping: Wenn mir ein Teil für sich gesehen gut gefällt, mir aber keine Kombinationsmöglichkeit mit meinem Kleiderschrank-Inhalt einfällt, wird das Kleidungsstück im Zweifel eben nicht gekauft.

Was sind die Fashion-Fauxpas deiner Vergangenheit?

Wenn ich an "ganz früher" zurückdenke, also an meine Jugend, fallen mir spontan Buffalo Sneakers mit Plateau-Sohle ein - wie gruselig! Außerdem waren damals weite Hosen von Dickies und sportliche Hoodies der letzte Schrei - also beides Kleidungsstücke, die überhaupt nicht figurbetont sind. Auch wenn ich kurvig gebaut bin und meine kleinen Problemzonen habe (oder gerade deswegen!), achte ich heutzutage viel mehr auf gut geschnittene, Figur-umschmeichelnde Kleidungsstücke. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch gut für's Selbstbewusstsein!

Was würdest du deinem jüngeren Ich raten, wenn ihr euch heute begegnen würdet?

Ich würde mir wahrscheinlich raten, bewusster und organisierter zu leben. Ein bisschen Planung kann Wunder wirken, weil einem dadurch nicht so viel entgeht. Früher habe ich oft in den Tag hinein gelebt und wusste dann nichts mit mir und meiner freien Zeit anzufangen. Häufig versiegte der Tag dann mit einem Serien-Marathon auf der Couch. Heutzutage wäre mir dies viel zu schade, da ich noch so viele Dinge sehen und erleben möchte. Ich habe eigentlich ständig was vor, sei es Bummeln oder ein Flohmarkt-Besuch mit der besten Freundin, eine Radtour mit meinem Herzensmann oder ein Road Trip entlang der schleswig-holsteinischen Küste - meiner Heimat.