Comfort Food: Kann Essen wirklich die Seele trösten?

Jeder von uns kennt das Phänomen: Wenn wir Stress haben oder traurig sind, haben wir Gelüste nach Süßem, Fettigem und Kalorienreichem. In solchen Situationen sehnen wir uns nach Nervennahrung, die uns - zumindest kurzzeitig - mit Freude erfüllt. Doch können Schokolade, Kekse, Kuchen und Co. in solchen Momenten tatsächlich unser Wohlbefinden steigern? Oder sind wir nach dem Verzehr nur noch deprimierter als zuvor? Wir haben mit Ernährungsberaterin Uta Bammel über die Ursachen unserer Heißhunger-Gelüste gesprochen und sie gefragt, ob "Comfort Food" tatsächlich glücklich machen kann.


Frau Bammel, wieso haben wir in stressigen Phasen oder wenn wir traurig sind besonders viel Lust auf süße und fettige Speisen?

Auch wenn wir in einer sehr modernen Welt leben, so tragen wir immer noch die Gene des Steinzeitmenschen in uns. Für diesen bedeutete Stress, wenn ein feindlicher Stammeskrieger oder ein Mammut vor ihm stand. Er hatte die Wahl zu fliehen oder zu kämpfen, für beides benötigte er viel Energie. Diese Energie kommt am schnellsten aus süßen und kohlenhydratreichen Lebensmitteln in unseren Körper und daher schreit unser Gehirn bei Stress auch heute noch ganz laut: "Ich will Süßes, sofort!". Das Problem ist nur, dass wir die zugefügten Kalorien nicht mehr durch körperliche Aktivität abbauen, sondern auf dem Schreibtischstuhl in unseren Fettzellen sammeln. Wenn wir dieses Phänomen nun kennen, fällt es uns leichter, den Steinzeitmenschen in uns an das heutige Leben anzupassen.

Wirkt sich der Verzehr von Süßem oder Fettigem in solchen Situationen tatsächlich positiv auf unsere Stimmung aus? Werden wir vielleicht sogar leistungsfähiger?

Im ersten Moment fühlen wir uns tatsächlich besser, weil gerade Schokolade das Glückshormon Serotonin enthält. Außerdem wird unser Belohnungssystem im Gehirn durch Zucker aktiviert und wir fühlen uns gut. Aber nicht lange! Zu schnell kommen das schlechte Gewissen und der Ärger über die überflüssigen Pfunde. Unsere Leistungsfähigkeit nimmt leider nicht zu, sondern ganz im Gegenteil noch ab, da unser Körper so sehr mit der Verdauung von Kohlenhydraten und Fetten beschäftigt ist, dass wir auch noch müde werden. Die Müdigkeit versucht unser Körper wiederum mit Essen zu kompensieren und der Teufelskreis beginnt von vorne. Kohlenhydrate (neben Süßem auch Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln etc.) sind chemisch gesehen lange Zuckerketten, die in den sogenannten Einfachzucker aufgespalten werden, der dann ins Blut gelangt. Der Blutzuckerspiegel steigt an und unsere Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus. Das Insulin hemmt aber gleichzeitig die Fettverbrennung, sodass die Fette aus der Nahrung nicht verbrannt werden, sondern geradewegs in unseren Fettdepots und somit auf der Hüfte oder dem Bauch landen. Das Essen von Süßem und Fettigem macht uns also leider nicht fit, sondern ganz im Gegenteil müde, träge und unzufrieden.

Gibt es Lebensmittel, die glücklich(er) machen und gesund sind?

Ja! Obst enthält neben dem Fruchtzucker viele Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die uns gut tun. Nüsse versorgen unser Gehirn mit B-Vitaminen und helfen deutlich besser gegen Stress als Süßes und Fettiges. Menschen, die viel frisches Gemüse, Früchte und Vollkorn essen, haben ein geringeres Risiko an Depressionen zu erkranken. Omega-3-Fettsäuren, enthalten in Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele, sind nicht nur für unser Herz, sondern auch für unser Gehirn und gute Stimmung wichtig. Das Gleiche gilt für pflanzliche Öle. Auch die Aminosäure Tryptophan gilt als Glücksbote. Ananas, Bananen, Nüsse und Avocados gelten hier als besonders wirksam. Neben der Ernährung spielen Sport und Bewegung eine ganz wichtige Rolle. Über den Sport können wir sehr wirkungsvoll das Stresshormon Adrenalin abbauen und ahmen so das "Kampf-oder Flucht-Phänomen" des Steinzeitmenschen nach. Nach dem Sport haben wir automatisch viel eher Appetit auf etwas Gesundes als auf Süßes und Fettiges. Eiweißreiche Speisen sind dann besonders empfehlenswert.

Was kann man gegen Heißhungerattacken machen?

Viel wichtiger als der Verzehr einzelner Lebensmittel sind regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten, um den Körper konstant zu versorgen und Heißhunger zu vermeiden. Fast-Food, Convenience, Weißmehlprodukte, Süßes und Frittiertes lösen immer neue Heißhungerattacken aus, weil unsere Bauchspeicheldrüse so viel Insulin produziert, dass wir uns 1 bis 1 1/2 Stunden nach dem Essen quasi unterzuckert fühlen und der Körper wieder Nachschub verlangt. Dem können wir nur vorbeugen, indem wir diese Dinge vermeiden und uns mit frischem Obst und Gemüse, leckeren Milchprodukten, einem saftigen Stück Fleisch, Tofu und Fisch, wunderbarem Käse, Eiern, Hülsenfrüchten und Nüssen wirklich etwas Gutes tun. So essen wir den Stress viel besser weg und bleiben dabei auch noch glücklich und schlank

Inhaberin der Praxis Essenslust: Uta Bammel

 

Uta Bammel ist Ernährungsberaterin, Psychotherapeutin und Gesprächstherapeutin. Als ehemalige Physiotherapeutin mit Erfahrung in Orthopädie und Sportmedizin war ihr der Stellenwert einer gesunden und ausgewogenen Ernährung schon immer bewusst. Heute ist sie Inhaberin der Praxis EssensLust in Essen.


Auch wenn Comfort Food nicht langfristig glücklich macht, muss die kleine Sünde zwischendurch manchmal einfach sein. Und wer sich generell gesund und ausgewogen ernährt, der braucht beim Verzehr sowieso kein schlechtes Gewissen zu haben. Wir haben daher Food-Blogger nach ihren liebsten Comfort Food Rezepten gefragt. Schaut selbst, bestimmt ist auch etwas dabei, das euch den Tag ein bisschen versüßen kann:


Bananenwaffeln – Hanna von Fräulein Selbstgemacht

Es muss schnell gehen, soll aber trotzdem richtig lecker sein und am besten auch noch süß und warm? Dann sind die Bananenwaffeln genau das Richtige! Mit einer Banane, Mehl und ein paar Zutaten aus dem Küchenschrank ist der Teig schnell angerührt und während das Waffeleisen aufheizt, kann man schon mal etwas Obst schnippeln oder Schokoladenstückchen hacken. Nun nur noch die Waffeln backen und schon lassen sich die wunderbaren Bananenwaffeln ohne schlechtes Gewissen naschen.


Über die Bloggerin

Auf "Fräulein Selbstgemacht" blogge ich, Hanna, seit Anfang 2015 über meine Leidenschaft zu leckerem und gutem Essen sowie zu meiner zweiten Liebe, dem 'Selbstmachen'. Meine Leser erfreuen sich über einfache Rezepte und Anleitungen, die immer als praktische Pdf-Dateien heruntergeladen und ausgedruckt werden können. Zeitschriften, Blogs, Instagram, Pinterest und mit offenen Augen durch den Alltag laufen, das sind meine Inspirationsquellen. Mein großes Ziel ist es, die Menschen zu animieren, mit einfachen Mitteln, etwas selbst zu machen und damit vielleicht einem Herzensmenschen eine große Freude zu bereiten.


Oreo-Konfekt – Miriam von Leckerleckerliese

Diese Käsekuchen-Variation ist meine perfekte Nervennahrung, weil sie einfach alles vereint, was ich brauche, wenn ich Gelüste auf Süßes habe. Die kleinen Spieße sind handlich, cremig, zitronig, schokoladig und fruchtig - besser geht es doch gar nicht. Der Teig ist ein normaler Käsekuchen aus Eiern, Zucker, Quark, Stärke, Crème fraîche und Zitrone. Die Zubereitung ist dabei so simpel und dauert keine viertel Stunde: einfach alle Zutaten zu einem Teig verrühren und backen. Mit dem Obst dekorieren und genießen!


 

Über die Bloggerin

Hallo Ihr Lieben, ich bin Miriam und blogge seit Anfang 2015 auf "Leckerleckerliese" unkomplizierte und familientaugliche Rezepte. Es ist für mich der perfekte Ausgleich zum turbulenten Familienalltag mit vier Kindern zwischen 3 und 10 Jahren und ich liebe es, in der Küche kreativ zu sein und neue herzhafte und süße Rezepte auszuprobieren. Ganz nebenbei habe ich auch die Fotografie für mich entdeckt und stehe gerne hinter der Kamera.


Vegane Kokos Bananen Pancakes – Mara von Cakes & Colors

 


Für mich sind diese veganen Pancakes Nervennahrung, weil damit gleich alles besser wird. Egal ob Stress in der Uni, Ärger zuhause oder einfach schlechte Laune - ein Biss und alles ist nur noch halb so schlimm! Die Kombination von Kokosnuss und Banane, die leicht matschige Konsistenz und die herrlich cremige Kokossoße on top - pures Glücksgefühl! Das Rezept ist auch wirklich einfach und ruckzuck gemacht; perfekt für diese Tage, an denen einfach alles schief geht!


 

Über die Bloggerin

Hey, ich bin Mara, 20 Jahre alt und Studentin.
Auf "cakes & colors" blogge ich seit 2012 über all die schönen Dinge im Leben! Ich liebe es, stundenlang in der Küche zu stehen und vegane Kuchen, Muffins und Kekse zu zaubern - und diese dann natürlich auch zu essen! Außerdem lese ich für mein Leben gerne, werde im Herzen immer Fußballer bleiben, will die Welt entdecken, nach Mittelerde reisen und bin begeistert von Project Life. In diesem Sinne: May the cake be with you!


Wassermelonen-Orangen Popsicle – Karin von Do-ITeria

Mit der Frage, was für mich "Comfort Food" ist, habe ich mich in den Supermarkt begeben und bin mit den Zutaten für diese Wassermelonen-Orangen Popsicle nach Hause gekommen. Es gibt mehrere Gründe, warum sie für mich "Comfort Food" sind: Im Sommer sind Popsicle einfach DIE Lebensretter bei drückender Hitze. Sie sind dank der frischen Früchte gerade richtig süß um einen Heißhunger zu bändigen. Und es verursacht mir mehr Komfort, etwas zu essen, wobei ich kein schlechtes Gewissen habe, als wenn ich schwer verträglichen Süßkram in mich hineinschaufle.

Für 8 Popslices habe ich in 3 Schichten gearbeitet und insgesamt folgendes verarbeitet:

  • eine ca. 4cm dicke Scheibe von einer Wassermelone
  • 1/2 Zitrone
  • 1EL Ahornsirup
  • 1 Orange
  • Prise Pfeffer
  • 1/2 Becher Crème fraîche
  • 2 EL Holundersirup  

1. Schicht: Die Wassermelone entkernen und pürieren. Die Zitrone hinzufügen und das Ganze mit Ahornsirup abschmecken.
2. Schicht: Die Orange schälen und ebenfalls pürieren. Die Prise Pfeffer gibt dem Ganzen ein wenig Würze.
3. Schicht: Die Creme fest aufrühren, damit sie schön cremig ist und mit Holundersirup verfeinern.
Nun die 3 Schichten in eine Popsicle-Form geben und über Nacht frieren lassen.


Über die Bloggerin

Der DIY Blog "DO-ITeria" wurde von mir, Karin, im Oktober 2014 gegründet. Ich möchte mir tagtäglich über den Weg laufen, andere motivieren ihrer Kreativität ebenfalls freien Lauf zu lassen. Schon seit früher Kindheit bin ich fasziniert von allem, was man mit den eigenen Händen (er)schaffen kann. Egal welches Handwerk, ich probiere es mit Leidenschaft aus und bringe es mir oftmals autodidaktisch bei; einfach unter dem Motto: DO IT! Mit dem Blog zeige ich meinen LeserInnen, wie leicht es ist, schöne DIY Projekte umzusetzen, sich in der Küche kreativ auszutoben oder sich von Alltagsgeschichten inspirieren zu lassen.


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