Haut-Mythen aufgedeckt: Was stimmt wirklich?

Eine glatte Haut und ein frisches, natürliches Aussehen wünschen wir uns alle. Doch makellos schöne Haut ist den wenigsten Frauen von Natur aus vergönnt. Die richtige Pflege und Reinigung sind daher das A und O, um für ein gutes Hautbild zu sorgen. Denn während wir von den Stars und Sternchen immer wieder Stimmen hören, wonach ein schöner Teint hauptsächlich das Ergebnis von reichlich Schlaf und viel Wasser sei, sieht die Realität der Nicht-Promi-Frau meist ganz anders aus. Doch was ist dran an dem Mythos, Wasser wirke sich positiv auf unser Hautbild aus? Trifft diese Aussage vielleicht wirklich zu? Und sorgen Süßigkeiten wirklich für Pickel und unreine Haut? Fragen wie diese haben wir erfahrenen Kosmetikerinnen gestellt, die einige gängige Hautmythen aufdecken.


Kosmetikerin Jana Pákozdi über den Mythos

Süßigkeiten sorgen für ein schlechtes Hautbild

Eines der größten Übel für eine schöne Haut ist weißer Zucker. Damit die Haut nicht vorzeitig altert, sollte man Zucker auf dem Speiseplan reduzieren. Leider können wir das Älterwerden nicht verhindern und wann wir erste Fältchen bekommen, ist zu 30 bis 40 Prozent genetisch veranlagt. Doch damit bleiben 60 bis 70 Prozent, für die wir selbst verantwortlich sind. Somit können wir den Prozess zwar nicht aufhalten, immerhin aber verlangsamen. Eine frühere Faltenbildung wird durch die Lebensstilsünden begünstigt. Dazu gehören unter anderem zu viel Sonne, Rauchen und Alkohol, Stress und nicht zu vergessen eine falsche Ernährung. All diese Faktoren machen die Haut eher dünner, trockener und schlaffer.

Fast jeder Mensch hat gelegentlich Heißhunger auf Süßes. In vielen Fällen steckt hinter dem Heißhunger das Bedürfnis nach einem schnellen Energieschub. Glukose ist für die Funktion der Zellen unentbehrlich. Zu viel davon wirkt sich jedoch nachteilig aus und trägt dazu bei, die Haut schneller altern zu lassen. Essen wir Zucker oder hoch-glykämisches Essen, welches sich schnell in Zucker umwandelt, steigt der Insulingehalt im Körper. Dieser gestörte Zuckerhaushalt verursacht den sogenannten inneren Brand (inflammatorischer Stress). Das sind Mikroentzündungen, die das Kollagen und Elastin in unserer Haut angreifen und so für eine vorzeitige Hautalterung verantwortlich sind. Darüber hinaus können dadurch Altersflecken, Akne oder andere Hautleiden entstehen. Hormone können auch ein Auslöser für unreine Haut sein. Das kann mit 30 oder später noch ein Problem sein.

Wenn der Körper viele männliche Hormone ausschüttet, wie zum Beispiel unter Stress, entstehen Pickel und Altersakne. Müdigkeit, Stress, Zucker, Zigaretten und Alkohol sind oft Gründe für unreine Haut. Wer unreine Haut in den Griff bekommen möchte, sollte sich möglichst abwechslungsreich, kohlehydratarm und mit frischen Produkten ernähren. Als Kosmetikerin empfehle ich meinen Kunden, möglichst monatlich zu mir zu einer professionellen Gesichtsreinigung zu kommen. Nach eingehender Diagnose und Beratung erfolgt eine lindernde Behandlung, die Reizungen und Rötungen minimiert und Poren verfeinert. Selbst sehr empfindliche Haut wird beruhigt und fühlt sich wieder unendlich zart an. Wichtig ist es, flexibel darauf zu reagieren und die Gesichtsbehandlung und das Pflegeprogramm entsprechend anzupassen.


Kosmetikerin Christina Popp über den Mythos

Seife oder Duschgel sollen nicht für die Gesichtsreinigung verwendet werden

Diese Aussage trifft zu. Für die Gesichtsreinigung sollten auf keinen Fall Seife oder Duschgel verwendet werden. Die Beschaffenheit unserer Haut unterscheidet sich stark, abhängig von der jeweiligen Körperregion. Dies betrifft vor allem die Dicke der Haut sowie die Schweiß- und Talgdrüsenverteilung. Da unsere Gesichtshaut unbedeckt ist, wird sie von äußeren Einflüssen, wie der Sonne, Hitze, Wind, Klimaanlage und Make-up, stark strapaziert. Daher sollte man auf aggressive Reinigungsmittel wie Seife oder Duschgel, die im Übrigen auch für den restlichen Körper nicht optimal geeignet sind, verzichten.

Während der pH-Wert der gesunden Haut im Bereich um 5,8 liegt, haben die meisten Seifen und Duschgels einen weitaus höheren pH-Wert. Dadurch wird der natürliche Säureschutzmantel der Haut ausgewaschen und der pH-Wert der Haut verschoben. Geeignete Reinigungsprodukte müssen daher über Inhaltsstoffe verfügen, die dieses Missverhältnis wieder ausgleichen. Ich lege beispielsweise großen Wert darauf, dass in meinen Reinigungs- und Pflegeprodukten pflanzliche Inhaltstoffe wie Lavendel, Kamille oder Arnikaextrakt vorhanden sind, die die Haut beruhigen. Gemieden werden sollten auf jeden Fall Produkte, die Mineralöle oder synthetische Farb- oder Duftstoffe enthalten.

Nach der Reinigung am besten einen Toner oder Gesichtswasser auftragen, damit der pH-Wert der Haut wieder stabil wird und auch Wirkstoffe von Pflegeprodukten besser aufgenommen werden können. Die Häufigkeit der Reinigung hängt stark vom individuellen Hauttyp ab. Vor dem Schlafengehen sollte die Haut jedoch unbedingt von Make-up und Verunreinigungen, die den Tag über entstanden sind, befreit werden. Unsere Haut ist ein Ausscheidungsorgan und in der Nacht ist ihr Stoffwechsel aktiver als am Tage. Daher muss die Haut gründlich sauber sein, damit diese wichtige Funktion nicht beeinträchtigt wird. Wenn die Haut zur vermehrten Talgproduktion und Unreinheiten neigt, sollte sie auch morgens mit einer geeigneten Waschlotion gereinigt werden.


Heilpraktikerin und Kosmetikerin Rose Steffen über den Mythos

Unreine Haut sollte man öfter waschen und reinigen

Oft wird bei Akne geraten, sich doch mehr zu waschen und keine Creme zu benutzen, die Haut sei ja fettig genug. Das ist falsch, denn wer zu aggressive Pflegeprodukte verwendet und diese auch noch zu häufig anwendet, erreicht genau das Gegenteil: der Säureschutzmantel der Haut wird zerstört und die Akne verstärkt sich.

Es ist ein häufiger Fehler von Aknebetroffenen, dass sie ihre Haut zu aggressiv und zu häufig reinigen. Die Haut wird davon strapaziert und geschädigt, was die Entstehung neuer Pickel zur Folge hat. Durch die Schwächung des Säureschutzmantels der obersten Hautschicht wird die hauteigene Abwehr für Keime reduziert. Oft ist aber die Besiedelung der Poren mit einem Aknebakterium mitbeteiligt an der Entstehung der Pickel. Entzündungen treten vermehrt auf und die zu starke Talgproduktion läuft weiter.

Die Haut sollte morgens und abends mit einem milden, pH-neutralen Wasch-Syndet bzw. einer Waschemulsion gereinigt werden. Bitte keine Seife verwenden, denn damit erhöht sich der pH-Wert und die Haut wird alkalisch. Durch geeignete Reinigungsgels oder Waschemulsionen kann der natürliche "saure" pH-Wert von etwa 5,5 beibehalten werden - was die Ansiedlung schädlicher Pilze und Bakterien verhindert. Als Alternative dazu kann eine milde Reinigungsmilch verwendet werden. Alkoholhaltiges Gesichtswasser ist ein No Go bei Akne. Es trocknet die Gesichtshaut aus und führt dazu, dass diese nur noch mehr nachfettet.

Das Handtuch sollte täglich gewechselt und der Telefonhörer / Handy immer desinfiziert werden - so können Keimansiedelungen möglichst gering gehalten werden. Vom selber Ausdrücken der Pickel rate ich dringend ab, viel sicherer ist es, das in professionelle Hände - wie die einer Kosmetikerin - zu übergeben. Denn es besteht die Gefahr, dass der Talg, mit den darin befindlichen Bakterien, ins umliegende Bindegewebe gedrückt wird. Dann kann es zu einer schweren Entzündung und zu noch größeren Pickeln kommen. Werden die Bakterien tiefer in die Haut gedrückt, können sogar große Abszesse (Eiterherde) entstehen.


Visagistin Heidrun Wokittel über den Mythos

Um eine schöne Haut zu bekommen, sollte man viel Wasser trinken

Ja, aber...! Wasser ist Leben, Wasser ist die wichtigste und lebensnotwendigste Substanz im Körper. Dies gilt sowohl für das Vorkommen im Körper als auch für den täglichen Bedarf. Ohne Wasser sind unsere Milliarden von Körperzellen nicht in der Lage, die Stoffwechsel- und Lebensprozesse aufrecht zu erhalten. Einige der positiven Auswirkungen von reichlich Wasser sind:

  • Förderung der Stoffwechselprozesse
  • Unterstützung der Verdauungskraft
  • Entlastung der Nieren
  • Unterstützung der Reinigungsfunktion des Körpers
  • Stärkung von Herz und Kreislauf
  • Die Haut wirkt frisch und prall

Wir brauchen also auf jeden Fall ausreichend Wasser für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Optimal sind 30-40 ml/Kg Körpergewicht. Und da werden sicher einige feststellen, dass sie zu wenig trinken. Das sich viel Trinken positiv auf die Spannkraft der Haut auswirkt, ist richtig, doch viel trinken allein reicht für ein reines, ebenmäßiges und strahlendes Hautbild bei Problemhautbildern nicht aus. Wer unter Unreinheiten, fettig-öliger, trockener oder schuppiger Haut leidet, wird die Probleme nur mit Wassertrinken schwerlich in den Griff bekommen. Sinnvoller ist es, eine professionelle und individuelle Hautbildanalyse machen zu lassen, um mit einer auf die Bedürfnisse der Haut abgestimmten Systempflege (Vorreinigung/Cleanser, Nachreinigung/Tonic und Tages-/Nacht-/24h Creme) zu arbeiten.

Die Reinigung des Gesichtes morgens und abends mit sanften, beruhigenden Reinigungsprodukten befreit die Haut von Staub, Talgüberschuss, Schweiß, Make-up usw. und bereitet sie optimal für den nächsten Pflegeschritt, das Eincremen vor. Je nach Empfindlichkeit der Haut, empfiehlt sich 2x pro Woche ein sanftes Gesichtspeeling. Auch nehmen mit zunehmendem Alter die Hautfunktionen ab, aber die Hautbelastungen zu. Mit einer individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Hautpflege ist das Ziel, lange ein gesundes, strahlendes und attraktives Hautbild zu erhalten keine Zauberei. Denn auch das schönste Make-up ist nur so schön wie die Haut darunter.


Kosmetikerin Dobrila Muzdalo über den Mythos

Make-up verstopft die Poren

Heute nicht mehr! Der Mythos, dass häufiges Tragen von Foundation zu unreiner Haut führen könnte, kommt aus der Vergangenheit, denn zu Omis Zeiten wurde Make-up auf Basis von Reismehl hergestellt, welches auf der Haut aufquoll und die Poren verschloss. Heute ist das aber anders. Moderne Texturen pflegen und schützen die Haut, wenn man sie regelmäßig verwendet. Den Satz, man sollte die Haut atmen lassen, haben wir dennoch alle schon einmal gehört. Die Haut kann in diesem Sinne jedoch nicht atmen, denn die Sauerstoffversorgung geschieht über die Lungenfunktion und unsere Haut bekommt ausreichend Sauerstoff von innen!

Wichtig für die Haut ist, dass sie jeden Tag morgens und abends ausreichend gepflegt und gereinigt wird. Tagsüber bekommt sie den Schutz und die Pflege und regeneriert sich nachts und scheidet Giftstoffe aus. Viele Make-ups enthalten sogar einen UV-Schutz. Zum Beispiel die BB Cremes, Mineral Puder, flüssige Foundation. Man könnte das Make-up daher sogar als Sonnenschutz verwenden, wenn es einen entsprechenden UV-Schutz enthält. Aufpassen muss man dennoch, dass es beim Schwitzen nicht im Gesicht verläuft. Hier lieber eine geeignete Sonnencreme verwenden und auf Make-up verzichten.

Kleiner Tipp: bitte unter der Sonnencreme keine Pflege oder Seren auftragen, da sich die Wirkstoffe an der Sonne zersetzen und Reaktionen auf der Haut erzeugen können. Übrigens sollte man das Make-up beim Kauf dort testen, wo es auch aufgetragen wird, nämlich im Gesicht und nicht etwa auf dem Handrücken. So kann man die optimale Farbe aussuchen.
Tipp: Less is more! Ein natürliches Make-up wirkt viel attraktiver als ein zugespachteltes Gesicht!


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